Geschichte des deutschen Landhandels

Preußen

In Preußen war es die rigide Getreidepolitik Friedrich des Großen, die eine Hungersnot verhinderte. Er hatte, wie schon sein Vater, Friedrich Wilhelm I, zur Ernährung seiner großen Truppen Getreidemagazine angelegt. Ein freier Handel war nur mit den Überschüssen erlaubt. Getreideversorgung war Chefsache.

Magazinsystem

Die Getreideversorgung war unter Friedrich dem Großen lückenlos verwaltet. Für jede Provinz wurde ein genaues Kataster erstellt. Festgelegt wurde, wieviel Getreide in einem Jahr benötigt wurde, und welche Mengen als Ernte in einem guten, mittleren und schlechten Erntejahr zu erwarten war. Zwischen den Provinzen wurden die Bestände ausgeglichen und von Beamten verwaltet. Staatliche Einkäufer kauften den Bauern das Getreide zu staatlich festgelegten Preisen ab.

Außerdem ließ Friedrich der Große in allen seinen Provinzen Getreidemagazine errichten. Diese Magazine konnten den Bedarf für mehrere Jahre aufnehmen. Ein Vorrat für eineinhalb Jahre befand sich ständig in den Magazinen. Die Getreideverwaltung war für Friedrich den Großen Chefsache und Sozialpolitik. Er war bis in alle Einzelheiten informiert, und traf alle Entscheidungen selbst.

Beim Beginn des Siebenjährigen Krieges befanden sich in preußens Magazinen 55.000 Tonnen (damals Wispel, 1 Wispel=1 Tonne). Als Friedrich der Große starb waren es 120.000 Tonnen.

Mit diesen riesigen Beständen konnte er die Preise für Getreide für die gesamte Bevölkerung erschwinglich halten.

Stieg der Getreidepreis auf dem freien Markt über die staatlich festgelegte Korntaxe, dann wurde aus den Magazinen zu einem niedrigeren Preis verkauft. "Ich will mit diesem An- und Verkauf nicht das geringste für mich gewinnen" so Friedrich. Für Kaufleute war der Handel mit Getreide in dieser Zeit in Preußen meist uninteressant.

Der Nachfolger Friedrichs, Friedrich Wilhelm II, kümmerte sich nicht mehr selbst um die Getreideverwaltung. Er überließ dies alles seinen Räten. Eine einheitliche Getreidepolitik gab es in Preußen in den folgenden Jahren nicht mehr.

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