Geschichte des deutschen Landhandels

Geschichte des deutschen Landhandels

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie Einzelheiten zur Geschichte des deutschen Landhandels. Unsere sicherlich nicht vollständige Beschreibung dieses Gewerbes wird nach und nach erweitert werden. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie das ein oder andere ‚offene Ende‘ finden. Wir laden Sie herzlich ein, diese Seiten mit uns zu erweitern. Wenn Sie möchten, dass auch Ihr Betrieb und seine Geschichte hier beschrieben werden, dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf.
Mit den Erzeugnissen der Bauern wurde von jeher gehandelt. Schon in Zeiten, in denen der Tausch das Geschäft war, und eigentlich jeder ein Bauer, konnte nicht jeder alles anbauen und ernten. Der Eine verstand sich besser aufs Jagen, dem Anderen lag das Sammeln mehr, in begrenztem Rahmen fand Handel statt. Aus der Mitte des fünften vorchristlichen Jahrhunderts stammen die ersten Zeugnisse bäuerlicher Kulturen.
Die Zeit von 1800 bis 800 vor Chr. bezeichnet man in Mitteleuropa als Bronzezeit. Metallgefäße wurden eingeführt und liefen den Keramiken den Rang ab.Die Menschen kannten die Techniken des Spinnens und Webens, sie konnten Kleidung herstellen. Die Fachwerkbauweise hatte sich durchgesetzt. Die Küstenbewohner waren in der Lage Holzschiffe zu bauen.Unter Historikern ist es umstritten, ob es in der Bronzezeit bereits Geld gab. Jedenfalls gab es einen überregionalen Handel, wenn auch nicht mit sehr großer Bedeutung.Auf jeden Fall kannten die Menschen in der Eisenzeit aber das Geld. Auf den Handelswegen nach Süden hatten die Kelten mit Geld Kontakt bekommen. Die nordischen Stämme nahmen sich das kleinasiatische und das römische Geld zum Vorbild und prägten selber Münzen.Durch das Vordringen der Römer kam es zu immer mehr Kontakten zum mediterranen Raum. Güter wurden gehandelt und die ersten Kaufleute machten ihre Geldgeschäfte. Das Transportmittel für den Fernhandel war das Pferd. Es wurde als Reit- und Lasttier genutzt. Außerdem gab es bereits einfache Gespanne.
Vom zweiten Jahrhundert an bauten die Römer ihre Herrschaft nach Norden aus, Gold und Eisenvorkommen erweckten ihr Interesse. 59 v. Chr. unterwarf Caesar Gallien (bis auf ein kleines Dorf). Am Rhein bauten die Römer über 50 Kastelle mit insgesamt 50.000 Mann Besatzung. Diese Menschen mußten ernährt werden. Ohne die Landwirtschaft der unterworfenen Germanen wäre dies nicht möglich gewesen. Zunächst haben die Römer die erforderlichen Lebensmittel requiriert. Im Laufe der Zeit änderte sich das, die Römer trieben Handel mit den Stämmen, die in der Umgebung lebten. Im Umland der römischen Kastelle gab es cababae, das waren Niederlassungen der Einheimischen, die mit den Römern Handel trieben. In Zeiten von Mißernten oder Kriegen mit den einheimischen Stämmen mußten die Römer Getreide in Britannien kaufen. Öl, Wein und Delikatessen bezogen sie aus dem Süden. Handel fand jetzt zwischen Römern und Einheimischen, und auch überregional, statt. Das römische Straßennetz und die Fortschritte im Schiffsbau machten es möglich.
Funde dieser Kulturen finden sich im Bereich von Lössböden, wie im Bereich der großen Alpentäler und in der Soester Börde. Zeugnis von diesen Menschen geben Keramikscherben mit bandartigen Verzierungen. Ein weiterer unabhängiger Kulturkreis hat in Westeuropa große Grabkammern und Sippengräber hinterlassen. In der norddeutschen Tiefebene siedelte eine dritte Kultur, die riesige Steingräber und Steinhäuser hinterließ. In allen drei Kulturen gab es bereits Getreideanbau. Die Menschen lebten in bäuerlicher Eigenwirtschaft, in einer Art Hofgemeinschaft. Steinrelief

Steinrelief

Schon damals gab es Menschen mit besonderen Geschicken, wie zum Beispiel das Herstellen von Gerätschaften aus Feuerstein oder das Töpfern. Manche Rohstoffe kamen aber nur regional vor, sie wurden auch über größere Distanzen getauscht. Handel, Kaufleute, gab es aber erst, als die Menschen in der Lage zur Arbeitsteilung waren. Außerdem mußten Mittel und Wege gefunden werden längere Strecken zu überwinden. Die Einführung von Geld als universellem Tauschmittel machte den Handel im größeren Stil erst möglich. Mit dem Vordingen der Römer nach Norden kam auch der Handel im größerem Stil nach Deutschland. Die Kaufleute der Vergangenheit handelten auch mit Getreide und den anderen Produkten, die heute im Landhandel gehandelt werden.Entscheidend war es aber, dass schon zu dieser Zeit sich die Landesherren und die Städte das Recht zum Getreidehandel vorbehielten, um die Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Und um ein Zusammenleben in Städten zu ermöglichen, reglementierten die Landesherren den Getreidehandel streng.Der Handel mit Getreide war zum Teil völlig verboten.Handel mit Getreide, Mehl, Pelzen und anderen Waren betrieb im hohen Mittelalter die Hanse. Handel Handel
Im Mittelalter lagen die Handelsstädte an Wasserstraßen, wie Rhein und Donau. Köln, die größte deutsche Stadt im Mittelalter, hatte 40.000 Einwohner. Versorgt wurden die Städte vom Umland. Die Bürger hatten Ackerland in der näheren Umgebung. Hauptnahrungsmittel war Getreide. Es wurde in Form von Brei, Brot und Bier (damals noch ein Nahrungs- kein Genußmittel) konsumiert. Handel Karl der Große setzte 794 Höchstpreise für Getreide fest. Es wies die geistlichen und weltlichen Grundherren an, zuerst ihre Hintersassen mit Getreide zu versorgen, bevor sie Getreide auf den Märkten verkaufen durften.Zwischen ehrbarem Getreidehandel und Wucher wurde unterschieden. Es galt als verwerflich mit dem Verkauf von Getreide Gewinne zu erzielen.Als die Städte wuchsen, reichten die Erträge des Umlandes nicht mehr aus. Im Mittelalter bestimmten die Städte die Wirtschaftspolitik. Ziel war es, den Bürgern in Stadt und Land preiswertes Getreide zu liefern. Die Lage der Erzeuger interessierte nicht. Nürnberg war im Mittelalter bereits eine Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern. Sie liegt an keiner Wasserstraße und war damit völlig auf die Lieferungen auf dem Landweg angewiesen. Handel
Im Jahre 1352 ließ sich die Stadt Nürnberg von Karl IV zusichern, daß Getreide, Wein, Vieh und andere Nahrungsmittel ungehindert von Zöllen oder Steuern nach Nürnberg eingeführt werden durften. In den Mauern der Stadt regelte die Regierung Handel und Verbrauch genau. 1350 war die Korngesetzgebung abgeschlossen und galt im Reich als beispielhaft. Es ging dem Rat darum, das Getreide auf seinem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher lückenlos zu kontrollieren. Das Getreide durfte nur auf den vier Kornmärkten der Stadt gehandelt werden. Um die Stadt gab es einen Bannmeile, in der kein Korn verkauft werden durfte. Abreden vor Eröffnung des Marktes waren verboten. In der Stadt waren nur zehn städtische Messer, das heißt Makler, berechtigt die Geschäfte zu tätigen. Niemand durfte mehr Getreide kaufen, als er für den häuslichen oder gewerblichen Bedarf benötigte. Alle diese Gebote wurden streng überwacht und waren mit harten Strafen belegt. Kornhaus

Kornhaus

Den Bürgern war die Vorratshaltung verboten, nur den Bedarf für ein Jahr durften sie lagern. Die Stadt dagegen baute Kornhäuser, in denen große Lagerbestände verwaltet wurden, sie sollten über ein Jahr für den Bedarf der Bevölkerung ausreichen. Damit konnte die Stadt eine Mißernte oder auch eine Belagerung ohne Schaden überstehen. Eine Schar von Beamten überwachten die Korngesetzgebung und den Handel in der Stadt. Erst im 18. Jahrhundert wurde der Getreidehandel freigegeben. Erst damals konnte sich der Beruf des Landhändlers als Kaufmann, der nur mit Produkten aus und für die Landwirtschaft handelte, etablieren. Solange der Handel mit Getreide als das wichtigste Standbein des Landhandels nicht oder nicht gewinnbringend möglich war, gab es nur Kaufleute, die auch, meist in Zeiten des Überflusses, mit Landeserzeugnissen handelten. Durch Mißernten kam es 1770 in Deutschland zu einer Hungersnot. Die Getreidepreise explodierten. Die Landesherren in Deutschland reagierten, wie sie es immer getan hatten, sie verhängten Ausfuhrverbote für Getreide. In dem territorial zerklüfteten Deutschland verschlimmerte das aber nur die Not. Nur Preußen und die Toscana überstanden die Hungersnot gut.
In Preußen war es die rigide Getreidepolitik Friedrich des Großen, die eine Hungersnot verhinderte. Er hatte, wie schon sein Vater, Friedrich Wilhelm I, zur Ernährung seiner großen Truppen Getreidemagazine angelegt. Ein freier Handel war nur mit den Überschüssen erlaubt. Getreideversorgung war Chefsache.
Die Getreideversorgung war unter Friedrich dem Großen lückenlos verwaltet. Für jede Provinz wurde ein genaues Kataster erstellt. Festgelegt wurde, wieviel Getreide in einem Jahr benötigt wurde, und welche Mengen als Ernte in einem guten, mittleren und schlechten Erntejahr zu erwarten war. Zwischen den Provinzen wurden die Bestände ausgeglichen und von Beamten verwaltet. Staatliche Einkäufer kauften den Bauern das Getreide zu staatlich festgelegten Preisen ab. Außerdem ließ Friedrich der Große in allen seinen Provinzen Getreidemagazine errichten. Diese Magazine konnten den Bedarf für mehrere Jahre aufnehmen. Ein Vorrat für eineinhalb Jahre befand sich ständig in den Magazinen. Die Getreideverwaltung war für Friedrich den Großen Chefsache und Sozialpolitik. Er war bis in alle Einzelheiten informiert, und traf alle Entscheidungen selbst. Beim Beginn des Siebenjährigen Krieges befanden sich in preußens Magazinen 55.000 Tonnen (damals Wispel, 1 Wispel=1 Tonne). Als Friedrich der Große starb waren es 120.000 Tonnen. Mit diesen riesigen Beständen konnte er die Preise für Getreide für die gesamte Bevölkerung erschwinglich halten. Stieg der Getreidepreis auf dem freien Markt über die staatlich festgelegte Korntaxe, dann wurde aus den Magazinen zu einem niedrigeren Preis verkauft. „Ich will mit diesem An- und Verkauf nicht das geringste für mich gewinnen“ so Friedrich. Für Kaufleute war der Handel mit Getreide in dieser Zeit in Preußen meist uninteressant. Der Nachfolger Friedrichs, Friedrich Wilhelm II, kümmerte sich nicht mehr selbst um die Getreideverwaltung. Er überließ dies alles seinen Räten. Eine einheitliche Getreidepolitik gab es in Preußen in den folgenden Jahren nicht mehr.
Im 19. Jahrhundert veränderte sich das Leben der Menschen durch die vielen technischen Neuerungen. Binnenschiffahrt und die Verbesserung der Straßen machten die Überwindung größerer Strecken möglich. Die Eisenbahn fand als Transportmittel immer größere Bedeutung. Um 1820 gewann der Handel mit Kartoffeln an Bedeutung, Leinsamen wurde wichtiges Handelsgut. Durch die Einführung des Telegraphen wurde die neue Art des Handels weiter erleichtert Das Brauereiwesen vergrößerte sich ganz erheblich, damit auch der Markt für die Rohstoffe, besonders für Braugerste. Die Mühlenbetriebe stellten auf Dampfmühlen um, damit konnten sie wesentlich größere Mengen Getreide verarbeiten. Viele jüdische Fruchthändler wurden nun Makler zwischen den Bauern und den Großmüllern. 1847 gab es Deutschland eine große Hungersnot, der Staat versuchte die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung zu sichern. VerschiedeneMaßnahmen wurden erprobt und scheiterten. Als Reaktion darauf wurde 1863 das neue Gewerbegesetz verkündet. Durch dieses Gesetz entstand die völlige Freiheit des Handels von zünftischen und polizeilichen Beschränkungen. Der Handel selber änderte sich.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein reger Außenhandel mit Getreide. Besonders die Niederlande, die schon damals zu einem der am dichtesten besiedelten Länder zählten, führten aus Deutschland Getreide ein. Zunächst waren die deutschen Händler als Agenten tätig. Sie verkauften ganze Schiffsladungen Getreide nach einer Probe. Das Geschäft änderte sich dann insoweit, als der Kauf auf Probe eingeführt wurde. Damit konnte der Händler die Ware verkaufen, bevor er sie selber bekommen hatte. Statt Barkauf auf Probe wurde das Liefergeschäft usus. Ursprünglich gab es nur das Geschäft Geld gegen Ware. Die Landhändler schrieben den Bauern den Gegenwerte der Ware gut und verzinsten ihn. Zum Teil geben sie Kredite auf die Ware. Aus einigen Landhandelsbetrieben wurden so Banken. Durch die besseren Transportmöglichkeiten verschwanden nach und nach die Fruchtmärkte. In ganz Deutschland wurden dafür als Handelsplätze Börsen eröffnet. Im Laufe der Zeit nahmen viele Landhändler noch andere Waren in ihr Angebot auf, die die Bauern zur Bestellung ihrer Felder brauchten. Sie lieferten Saatgut, Düngemittel und später auch Pflanzenschutzmittel. Oft wurde die Produktpalette auch um Brennstoffe wie Holz und Kohlen, Treibstoffe und Maschinen ergänzt. Die Landhändler unterhielten zu dieser Zeit teilweise Versuchsfelder, um den Bauern die Nützlichkeit der angebotenen Waren zu beweisen. Als Beispiel für die Entwicklung einer Kaufmannsfamilie, die sich auf den Landhandel spezialisiert hat, sei die Firma Klamroth genannt. Die Kunden wurden von den Händlern auf neue Bedürfnisse des Marktes hingewiesen. Immer stand der Landhändler aber auch im Verdacht die Bauern zu übervorteilen. Schwarze Schafe hat es auch in diesem Berufszweig gegeben. Im Idealfall sollte der Landhändler Partner des Bauern sein, ein Wegbereiter des agrarischen Fortschritts.
Johann Gottlieb Klamroth aus Ermsleben im Harz, Sohn eines alten Bauerngeschlechtes, machte eine kaufmännische Lehre und zog in die Stadt Halberstadt.Im Jahre 1790 gründete er eine Materialwaren- und Viktualienhandlung (Lebensmittelhandel).Wenige Jahre später übernahm er den Lederhandel seines Schwiegervaters, und erweiterte damit das Angebot. 1815 erweiterte er das Geschäft erneut. Nun kamen Produkte wie Getreide, Erbsen, Linsen, Mohn und Hanf hinzu. Abgesehen von dem Ladengeschäft, das bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fortgeführt wurde, stieg die Firma immer mehr in den Zwischen- und Großhandel ein. Die Erben des Firmengründers erwarben einen Gutsbetrieb, auf dem hauptsächlich Zuckerrüben angebaut wurden.Zuckerrüben werden ein Handelsgut der Firma, und nach einigen Jahren erwerben die Firmeninhaber Beteiligungen an zwei Zuckerrübenfabriken.Bis zum hundertjährigen Jubiläum 1890 erweitert sich das Angebot nochmals. Raps und Leinkuchen, Sämereinen und Zement kommen hinzu. Die Firma setzt sich das Ziel, ihren Kunden besonders hochwertige Sämereien zu liefern.

Johann Gottlieb Klamroth Johann Gottlieb Klamroth Betriebsgebäude Klamroth Das Betriebsgebäude der Firma Klamroth Gedenkblatt Gedenkblatt zum 100-jährigen Bestehen des Unternehmens

Die dritte Generation steigt in den Düngemittelhandel und später auch in die Produktion ein. Die Firma gründet ein Superphosphatwerk. Auf eigenen Versuchsfeldern demonstrieren sie die Wirkung der neuen Produkte. In dieser Zeit gab es noch keine staatlichen Informationen über Neuerungen auf dem Agrarsektor.Die Bauern waren damit auf solche Quellen angewiesen. In dieser Zeit hatten die Landhändler maßgeblichen Anteil an der Verbreitung von neuen Produkten.Der Getreidehandel rückt vom Umsatz der Firma her an die zweite Stelle. Bis zum ersten Weltkrieg wurde die Superphosphatproduktion auf über 20.000 t gesteigert.1940 kann die Firma ihr 150- jähriges Bestehen feiern, wegen des Krieges wird aber von großen Feierlichkeiten abgesehen. Zu dieser Zeit gibt es außer dem Hauptgeschäft fünf Filialen um Halberstadt und eigene Lagerhäuser. Die Firma ist auf ihrem Höhepunkt angekommen. Sie vertreibt Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel, Brau-, Industrie- und Futtergerste; Brotgetreide für Mehl, Mehl, Hülsenfrüchte und Sämereien, Bindegarne und Ölfrüchte. Am 20. Juli 1944 wurden der Juniorchef und Miteigentümer der Firma Johannes Georg Klamroth zusammen mit seinem Schwiegersohn Bernhard Ludwig Klamroth wegen der Beteiligung am Attentat auf Hitler verhaftet. Im August werden die beiden mit anderen Gleichgesinnten hingerichtet. Dr. Kurt Klamroth wird in Sippenhaft genommen. Durch einen Luftangriff auf Halberstadt werden das Geschäftshaus und einige Lagerhäuser zerstört. Alle Geschäftsunterlagen werden vernichtet. Zunächst steht der Betrieb ohne Führung da. Langjährige Mitarbeiter leiteten ihn zunächst, bis Dr. Kurt Klamroth die Geschäftsführung übernahm. Nach dem Krieg übernimmt Klaus Klamroth die Geschäftsleitung. Die Teilung Deutschlands wirkt sich auch auf diese Firma aus. Die Eigentümer und der Geschäftsführer leben in der Bundesrepublik.Bis 1972 führt ein langjähriger Mitarbeiter des Betriebes die Firma. Im Wirtschaftssystem der DDR ist jedoch kein Platz für eine private Landhandelsfirma. Das Sortiment wird auf Sämereinen und Mehlvertrieb umgestellt. Der Betrieb wird zur Außenstelle der Magdeburger Mühlenbetriebe.1972 beschließt der Ministerrat der DDR Betriebe von Westeigentümern unter Treuhandschaft zu stellen. Damit verliert Klaus Klamroth die Geschäftsführung. 1973 stellt die Firma Klamroth ihren Betrieb ein und wird 1975 gelöscht.

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Weitere Informationen über die Familie Klamroth.
1846/47 gründete Johannes Friedrich Raiffeisen im Westerwald den ersten genossenschaftlichen Landhandel. Im Jahre 1890 gab es in Deutschland bereits 3006 landwirtschaftliche Genossenschaften. Dem privaten Landhandel erwuchs durch die Genossenschaften eine Konkurrenz, es gibt aber keine staatlichen Aufzeichnungen über den Einfluß der Genossenschaften auf die Geschäfte der Privaten.
Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde am 30. März 1818 in Hamm im Westerwald geboren. Mit 24 Jahren verläßt er den Militärdienst und wechselt in die Verwaltung. Er wird Bürgermeister in mehreren Orten unter anderem in Heddersdorf (heute ein Stadtteil von Neuwied).Im Hungerjahr 1847 gründet er den rein karitativen Hilfsverein. Aus diesem Darlehnsverein entwickelt sich ein Kassenverein mit Selbsthilfecharakter. Für die durch Raiffeisen gegründetenGenossenschaften ist es typisch, daß sie auf ein Dorf beschränkt sind und ehrenamtlich von einem Dorfbewohner geleitet werden.

F. W. Raiffeisen Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Sie entwickelten sich immer mehr zu einer Genossenschaft, wie wir sie heute kennen. Für den überörtlichen Ausgleich wurden Zentralkassen auf Provinzebene gegründet, 1872 im Rheinland, 1874 in Westfalen und im Großherzogtum Hessen. Seit 1948 besteht der Deutsche Raiffeisenverband e.V. als Nachfolgeorganisation.
Bei Beginn des Krieges glaubten die zuständigen Stellen an keine lange Dauer. Als sich zeigte, daß der Krieg nicht so schnell zu Ende sein würde wie zunächst erhofft, kam es zu Schwierigkeiten bei der Versorgung der Bevölkerung mit landwirtschaftlichen Produkten. Die Reichsregierung ergriff verschiedene Maßnahmen. Sie erließ Gesetze, in denen eine zentrale Verwaltung von Nahrungs- und Futtermitteln geregelt wurden. Neue Regierungsstellen wurden eigens dafür gegründet. Diese Stellen verfügten aber nicht über die notwendigen Anlagen zur Reinigung und Lagerung von Getreide, diese mußten gemietet werden. Durch die zentrale Verwaltung der Regierung wurde der Handel ausgeschaltet. Der Zusammenschluß war für einige Betriebe die einzige Möglichkeit zu überleben. Die gegründeten Handelsgesellschaften konnten dann mit der staatlichen Kriegswirtschaft zusammenarbeiten. In dieser Zeit wurde die „Bayrische Handelsgesellschaft für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Baustoffe GmbH und Co KG“ BeWag gegründet. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Kriegsbewirtschaftung wieder abgebaut. Zunächst betraf dies aber nur Futtermittel, Brotgetreide wurde weiterhin bewirtschaftet. Mit der Währungsreform 1923 und der Aufhebung der handelspolitischen Beschränkungen im Versailler Vertrag fielen alle Handelshemmnisse. In den 30iger Jahren gingen die Geschäfte des Landhandels in Deutschland schlecht. Deutschlands Rolle als Getreideexporteur war geschwächt und die Getreidepreise waren weltweit starken Schwankungen unterworfen. Die Weltwirtschaftskrise betraf auch den Landhandel. Viele landwirtschaftliche Betriebe wurden zahlungsunfähig. Die Genossenschaften wurden durch staatliche Kredithilfen gestützt, der private Landhandel hatte es noch schwerer.
Nach Hitlers Machtergreifung wurde die landwirtschaftliche Organisation zur Reichssache erklärt. Es wurde eine Universalorganisation, der Reichsnährstand, geschaffen. In ihm wurden die Landwirte, die landwirtschaftlichen Genossenschaften und der Landhandel zusammengefaßt. Die Unternehmen der Be- und Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse sowie Vereine und Verbände der Landwirtschaft gehörten auch dazu. Die Führungspositionen wurden besetzt und nicht gewählt und letztlich war der Reichsbauernführer der oberste Vorgesetzte. Der Reichsbauernführer bestimmte Festpreise und ordnete Marktverbände an. Aus dem Landhändler wurde ein Verteiler, der Handel lohnte sich kaum, da die Verdienste sehr gering waren.
Bei Beginn des Krieges wurde die Versorgung er Bevölkerung direkt der Staatsverwaltung unterstellt. Für einen Handel gab es in dieser Zeit keinen Raum, so daß sich die Unternehmen im Krieg auf andere Warengruppen konzentrieren mußten- oder schlossen.
Nach dem zweiten Weltkrieg lösten die Zonenbefehlshaber den Reichsnährstand auf. In Westdeutschand wurde mit dem Amtsantritt Konrad Adenauers 1949 als Bundeskanzler die soziale Marktwirtschaft eingeführt. Wenige Tage später wird die DDR gegründet. Sie führte ein sozialistisches Wirtschaftssystem ein, in dem Handel nicht möglich war.
Aus der sowjetisch besetzten Zone ging die DDR als eigener Staat hervor. In ihrer Verfassung (erlassen am 7. Oktober 1949) sieht sie die Witschaftslenkung zum Wohle der Allgemeinheit vor. Im sozialistischen Wirtschaftssystem war die Landwirtschaftliche Produktion anders organisiert als vor dem Krieg. Große landwirtschaftliche Produktionsbetriebe belieferten staatliche Stellen mit ihren Erzeugnissen. Sie wurden ihrerseits von staatlichen Stellen mit den nötigen Produktionsmitteln versorgt. Exporthandel betrieben ebenfalls staatliche Stellen. Für einen Landhandel gab es daher keinen Platz.
Seit dem zweiten Weltkrieg hat sich die Struktur der Landwirtschaft in Westdeutschland deutlich verändert. Der Anteil der Landwirtschaft am erzielten Bruttosozialprodukt reduziert sich kontinuierlich. Immer mehr kleinere Landwirtschaftliche Betriebe mußten weichen, Flächen wurde stillgelegt oder in größeren Betrieben zusammengefaßt. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat die Unternehmen des Landhandels ebenfalls betroffen. Die Zahl der Unternehmen hat von 1950 bis heute abgenommen. Vielfach haben die im Markt verbliebenen Unternehmen die ausscheidenden Betriebe als Nebenstellen übernommen. Dabei hat sich das Handelsvolumen der Unternehmen bis in die 70´er Jahre erweitert. Es hat ein Konzentrationsprozeß stattgefunden.
Das Handelsvolumen der Landhandelsunternehmen steigerte sich in den 80´er Jahren nicht mehr. Insbesondere die Beschaffungsmärkte haben nur noch ein geringeres Absatzvolumen, weil die Nachfrage gesunken ist. Die Durchschnittsgröße der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich in der Nachkriegszeit um 20 Prozent erhöht. Die Zahl der Landhandelsunternehmen ist in den 80´er Jahren nochmals gesunken. Nach diesem Konzentrationsprozeß sind die Unternehmen des privaten und des genossenschaftlichen Landhandels in höheren Umsatzklassen zu finden.
Als Reaktion auf die Konzentrationsbewegungen auf einem begrenzten Absatzmarkt haben sich viele private Landhändler in verschiedenen Kooperationsformen zusammengeschlossen. In den 80`er Jahren hatten sich 50% der privaten Landhändler zu Vereinigungen zusammengeschlossen. Dabei ergeben sich regional große Unterschiede. In Norddeutschland sind weniger Händler in Vereinigungen organisiert als in Süddeutschland.
Nach der Wende stellte sich für die Land- und Ernährungswirtschaft Ostdeutschlands die Frage, wie die Organisation in Zukunft aussehen sollte. Sollte weiterhin die Gemeinschaftsproduktion im Vordergrund stehen (egal in welcher Rechtsform), oder lag im bäuerlichen Familienbetrieb westlicher Prägung die Zukunft. Die vor- und nachgelagerten Stufen der Landwirtschaft und die Verarbeitung mußten anders organisiert werden. Die Funktion des Landhandels versuchen verschiedene Gruppen zu erfüllen. Die ehemaligen agrochemischen Zentren (ACZ), die Raiffeisengenossenschaften und die Vereinigten Landkaufleute (VL) und Einzelunternehmen drängten auf den neuen Markt. Wie die Entwicklung dieses Marktes weitergeht wird sich noch erweisen. Für die Entwicklung von Landwirtschaft und Landhandel, nicht nur in Ostdeutschland, ist es von entscheidender Bedeutung, wie die Länder Osteuropas in die Europäische Gemeinschaft hineinwachsen.
Die früheren ACZ´s versuchten die Funktion des Landhändlers in Westdeutschland zu übernehmen. Sie verfügen über Marktkenntnisse und haben nicht den „Wessi – Geruch“. Im Agrarchemiebereich konnten sie kaum noch tätig sein, denn ihnen fehlten die Lagermöglichkeiten, die den neuen strengeren Sicherheitsbestimmungen entsprachen. Eine Aufrüstung war meist zu kostspielig. Außerdem hatten diese Betriebe das Problem, daß sie schlecht mit Kapital ausgestattet waren. Im Geschäft mit den großen landwirtschaftlichen Einheiten, wie sie in Ostdeutschland bestehen, mußte aber die finanzielle Ausstattung entsprechend sein. In den ersten Jahren waren die Banken meist nicht bereit solche Betrieb zu unterstützen.
Die Raiffeisenhauptgenossenschaften haben Ihre Geschäfte auch auf die neuen Bundesländer ausgedehnt. Dabei sind häufig ehemalige ACZ´s ihre Partner. Der Schwerpunkt lag dabei zunächst in den Randbereichen des Landhandels, im Haus- und Gartenbedarf und bei den Baustoffen. Für den Umsatz mit den klassischen Landhandelsprodukten fehlten zunächst Kapital und Lagerkapazitäten. Besonders die Hauptgenossenschaft Hannover hat versucht die Nähe zu Sachsen – Anhalt zu nutzen. Die Genossenschaft hat dort auch einige neue Geschäftsstellen gegründet.
Die Funktion des Großhandels nehmen heute die Zentralgenossenschaften und die Unternehmen der VL- Gruppe wahr. Der Import liegt in der Hand einiger US-Ableger. Die Firmen sind in internationale Unternehmen eingebunden, da die wesentlichen Geschäfte des Agrarmarktes nur noch unter Berücksichtigung der arbeitsteiligen Weltwirtschaft möglich sind. Ein Landhandelsunternehmen kann diese Funktion heute nicht mehr wahrnehmen.

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